BewegungsRaum Doris Laugwitz | Visitenkarte

Sauseschritt

Flitzen, was das Zeug hält oder das eigene Schneckentempo entdecken ...

Langsames Laufen ist eine Kunst !

Ein Einstieg ...

Lebens-Laufen

Für ein Training mit Herz und Verstand

veröffentlicht am 23.09.2009 auf www.old-q.de

Ging es bei Ihnen mal steil bergab oder bergauf? Traten Sie auf der Stelle, liefen vor etwas weg oder bewegten sich im Kreis? Bewegungsimpulse geben Impulse für das Leben oder die Lebenssituation, in der man sich verrannt hat. Wer sich bewegt, kann etwas in sich bewegen, etwas in Gang bringen, damit es wieder gut läuft.
Haben wir Gehen und Laufen erst einmal erlernt, geht es wie von selbst. Es braucht kein Nachdenken mehr, kein ausdrückliches Bewusstsein.
Bringen Sie zu Beginn eines Lauftrainings alle unbewusst ausgeübten Bewegungen in die Aufmerksamkeit: Setzen Sie Ferse oder Mittelfuß zuerst auf? Rollen Sie über die Außenkante ab? Drücken Sie sich vom Ballen, vom dicken Zeh ab? Fallen Sie  in den nächsten Schritt?
Setzen Sie die Arme bewusst ein, heben Sie Knie und Kopf, koordinieren Sie Atem und Schrittfrequenz, z. B. vier Schritten beim Ein- und vier Schritte beim Ausatmen.
Teilen Sie Ihre Kräfte ein, halten oder steigern Sie das Tempo, den Blick nach vorn und das Ziel im Auge.
Das Auslaufen ist genau so wichtig wie das Einlaufen, damit Sie sich einstimmen können auf das, was kommt und hinter sich lassen, was war. Sie trainieren die Fähigkeit, bei länger andauernder Belastung nicht so schnell zu ermüden. Mit dem Effekt, sich nach der Belastung wesentlich schneller wieder zu erholen. Sie trainieren also Dinge, die Sie gut in den Lebensalltag übertragen können.

Es geht um wesentlich mehr als um Sport, um mehr als Raus-aus-dem-Auto-und rennen-und-verschwitzt-wieder-rein-ins-Auto. Es geht um Bewegung und es geht vor allem um Ihre Person, um die Gestaltung Ihres Lebens, in welchem Umfang, mit welchem Tempo, in welcher Zeit und mit welcher Qualität Sie sich bewegen wollen.
Wie unterscheidet sich das Gehen vom Laufen? Während Sie beim Gehen immer einen Fuß auf dem Boden haben, gibt es im Laufen eine kurze Flugphase, in der Sie den Bodenkontakt verlieren. Ein winziger Moment des Dahinsegelns über Asphalt, Waldboden oder Sandstrand. Ein Moment der äußeren Bewegungslosigkeit, bis die Erdanziehung den nächsten Schritt und die folgende Schwebephase einleitet. Vergleichbar mit dem Rhythmus des Atems und des Herzens, eine Pause, ein Innehalten, bis völlig unwillkürlich Luft geholt wird oder die Herzkammern sich wieder mit Blut füllen.
Tun Sie es – halten Sie inne – schweben Sie. Es spielt keine Rolle, wie schnell Sie sind. Rennen Sie, wenn Sie Spaß daran finden oder traben Sie, wenn Ihnen das zum „Fliegen“ ausreicht.
Laufen hat viele Qualitäten: Hetzen, rennen, schlurfen, taumeln, flitzen, schleichen, tippeln, gleiten, eilen, hasten, sprinten, tänzeln, traben, joggen. Probieren Sie diese Qualitäten einfach aus und entscheiden Sie, mit welchem Gefühl und mit welcher Geschwindigkeit Sie unterwegs sein wollen. Das sieht am Montag bestimmt anders aus als am Freitag. 

Gehören Sie zu den Menschen, die in Bewegung kommen wollen und nicht recht wissen wie? Machen Sie den ersten Schritt nach vorne – mit rechts oder mit links – und ziehen Sie dann das andere Bein nach. Wiederholen Sie die Bewegung und wechseln Sie dabei das „führende“ Bein. Wenn Sie ein bisschen Vertrauen entwickelt haben und sich mit dem Oberkörper nach vorn fallen lassen, kommt der zweite Schritt ganz von allein.
Erinnern Sie sich an Ihre letzte Bewegungslosigkeit? Offensichtlich sind Sie wieder in Gang gekommen. Und wenn Sie im Kreis rennen, legen Sie noch einen Kreis drauf und laufen, hüpfen oder tippeln Sie vorwärts oder rückwärts in der Form einer Acht.

Entdecken Sie Ihr eigenes Schneckentempo. Langsames Laufen ist eine Kunst! Stellen Sie ihren Schlendrian-Rekord auf. Hören Sie auf Ihren Atem, Ihren Herzschlag. Nehmen Sie wahr, was am Wegesrand liegt, wie die Natur sich im Wechsel der Jahreszeiten ändert. Spüren Sie den Wind in den Haaren und Sonne und Regen im Gesicht. Oder drücken Sie auf die Tube und stoppen Ihren persönlichen Streckenrekord. Hat Sie jemand überholt? Haben Passanten Sie bewundernd angeschaut? Lösen Sie sich von Zeitvorgaben und finden Sie Ihr eigenes Tempo.
Reflektieren Sie, was in Ihnen in Bewegung kommt. Ein Trainingstagebuch dient nicht nur zum Notieren von Strecke, Zeit, Tempo und Herzfrequenz. Wie haben Sie sich gefühlt, vor, während und nach dem Laufen? Hatten Sie warme Hände oder kalte Ohren? Rinnsale aus Schweiß unter der Brust oder auf dem Rücken? Haben Sie Ihre Kraft gut eingeteilt oder sich ausgebeutet? Haben Sie sich auf unbekanntes Terrain gewagt? Wie war es, im Dunkeln, im Regen, als Erste im Schnee, ohne Musik, mit Wasserflasche zu laufen? Trainieren Sie mindestens drei Monate ohne Unterbrechung und lassen Sie sich einen individuellen Trainingsplan erstellen. Setzen Sie sich ein Ziel und gestehen Sie sich ein, dass sich dieses Ziel im Laufe der drei Monate ändern darf. Ein gutes Ziel für absolute Anfängerinnen und Anfänger ist es, am Ende der drei Monate 30-40 Minuten ohne Pause laufen zu können. Achten Sie auf das, was um Sie herum geschieht, bei der Arbeit oder der Arbeitssuche, in Ihren familiären und freundschaftlichen Beziehungen. Hören Sie gut hin, wenn Menschen um Sie herum feststellen, dass Sie sich verändert haben. Denn das ist ebenso Ziel des Lebens-Laufens: Sie haben sich verändert und das kann man Ihnen ansehen. Und es tut Ihnen offensichtlich gut.

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